Museumsdetektiv im St. Annen-Museum

Ab dem 24. Oktober widmet das St. Annen-Museum dem wichtigen Lübecker Maler Hans Kemmer und seinem berühmten Lehrer Lucas Cranach d.Ä. eine große Ausstellung mit dem Titel „Cranach. Kemmer. Lübeck – Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation“. Darin zu sehen sind von beiden Malern, die vor etwa 500 Jahren gelebt und zusammen in einer Werkstatt in Wittenberg gearbeitet haben. 

Als Museumsdetektive könnt ihr euch vor Ort im Museum das Entdeckerheft schnappen und kleine Rätsel rund um die Ausstellung lösen. Dafür müsst ihr Fragen zu den Gemälden beantworten und manchmal ganz genau hinschauen. Doch ihr müsst auch kreativ sein und euch zum Beispiel überlegen, was die Personen auf den Bildern zueinander gesagt haben könnten oder Antworten mit einer Farbenzauber-Folie entschlüsseln. Wenn ihr alle Lösungsworte gefunden habt, seid ihr echte Meisterdetektive!

Weitere Informationen unter www.st-annen-museum.de

Woher kommt der Begriff „blau machen“?

Neben Purpur gehörte zur Zeit Kremmers und Cranich Indigo zu den teuersten Pigmenten. Schon seit längerer Zeit kam es nicht mehr aus Indien, denn „Blau“ wuchs auch auf heimischen Feldern. Besonders in den feuchten Auen rings um Wittenberg wuchs der „Färberwaid“, der über die Hanse bis nach England verkauft wurde. Diese doldige Rispe mit ihren kleinen gelben Kreuzblüten entwickelte hängende Schoten, die sich bei ihrer Reife schwarz-violett färbten. Das seit der Jungsteinzeit bekannte Färberwaid trocknete nach der Ernte auf den Dachböden der Klostergärten und Apotheken. Bis dahin war vom blauen Schimmer noch nichts zu sehen. Erst das Wissen karolingischer Mönche half den Färbern „Blau“ zu machen. In fast jeder historischen Stadt gab es Färbergassen und Färberstraßen oder einen Anger in Flussnähe, den die Färber für ihr anrüchiges Geschäft nutzten. 

Man brauchte etwas Alkohol und große Mengen von Urin, um mit frischem Färberwaid in Lübeck „Blau“ zu machen. Den benötigten Harnstoff lieferten oft die Mönche und Nonnen der umliegenden Klöster sowie die Schüler der Stadt, die es zu Kemmers Zeiten reichlich in Lübeck gab, sodass es keinen Mangel an der notwendigen Köperflüssigkeit gab.

So benässt gärte der Sud Monate vor sich hin. Dann legte der Färber diesen Brei und seine Stoffe in einen Topf, nicht ohne nochmaliges starkes Pinkeln aller Gesellen, die vorher tüchtig Bier tranken. Alles war gelb! Aber auf dem Anger, an der Luft, geschlagen mit Ruten, wurden Wolle und Tuche mit Hilfe von Sauerstoff und Oxidation wunderbar blau: Indigo! 

In den Apotheken der Hansestadt Lübeck gab es zudem Tee aus den Färberwaidblättern gegen Husten und Salbe gegen Hautkrankheiten. Dieses Kraut war ein Geschenk des Himmels. Aus Indigo war mundartlich „Endich“ geworden. 

Die Redewendung „blau machen“ war natürlich auch in der Hansemetropole Lübeck bekannt, entsprang sie doch dem Arbeitsalltag der Blaufärber. Sie konnten stundenlang am Anger in freier Natur dem Müßiggang frönen und entspannt darauf warten, dass die frisch gefärbten Stoffe trockneten und sich langsam die gewünschte Farbveränderung von gelbgrün auf das begehrte Indigoblau einstellte. Am Montag wurde daher im wahrsten Sinne des Wortes in Lübeck „blau gemacht“.