Jung und Alt – Die Generationsbrücke Lübeck

Kleine Kinder und Senioren – passt das zusammen? Früher, als noch mehrere Generationen unter einem Dach wohnten war es Gang und Gäbe, dass sich Oma/Opa, teilweise sogar Uroma/Uropa, um ihre Enkel kümmerten und die Kinder so einen natürlichen Umgang mit alten Leuten pflegten. Heute ist das teilweise ganz anders.

Nur noch selten leben mehrere Generationen zusammen und oft wohnen die Großeltern sogar einige 100 Kilometer von ihren Kindern und Enkeln entfernt. Dadurch und durch die Institutionalisierung der Betreuung von Alt und Jung haben sich die Begegnungsmöglichkeiten verringert. Damit haben Kinder heute manchmal gar keinen Kontakt zu älteren Menschen und auch Senioren kaum Chancen, die nachkommende Generationen zu erleben.

Mittlerweile weiß man, dass der Kontakt zwischen kleinen Kindern und alten Menschen für beide Seiten wichtig ist. Das gemeinnützige Sozialunternehmen „Generationsbrücke Deutschland“ (GBD) will das Zusammenleben der Generationen fördern. Bereits 2009 wurde diese in Aachen noch unter dem Namen Generationsbrücke Aachen gegründet. Das Projekt fand bald Anhänger in ganz Deutschland, sodass es 2012 umbenannt wurde. Mittlerweile gibt es mehr als 250 Kooperationspartner in Form von Altenpflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Auch in Lübeck ist die GBD aktiv. Auf Initiative der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung  zu Lübeck finden auch hier regelmäßige Treffen zwischen Kitas und Altenheimen statt. 

Ziele der Generationsbrücke Deutschland

Ziel der Generationsbrücke Deutschland ist es, junge und pflegebedürftige alte Menschen im institutionellen Rahmen zu verbinden und in Kontakt zu bringen. Der gemeinsame Spaß und das Erleben von unmittelbarer Freude stehen dabei im Fokus. Für ein gutes Gelingen der intergenerativen Begegnungen steht das praxiserprobte Konzept der GBD auf fünf Grundpfeilern: 

  • altersgerechte Vorbereitung der Kinder auf die Begegnungen 
  • Regelmäßigkeit und Langfristigkeit der Begegnungen 
  • feste Partnerschaften in einer festen Gruppe 
  • aktives Miteinander
  • strukturierte und ritualisierte Begegnungen 

Die Gemeinnützige Sparkassenstiftung hat 2017 das Konzept nach Lübeck geholt und finanziert den teilnehmenden Einrichtungen die Fortbildung sowie die Unterstützung der GBD in Form von Beratung, Materialien und Fachtagungen.

Die GBD in Lübeck

Im Rahmen der Generationsbrücke in Lübeck gibt es momentan folgende Kooperationen:

  • Malteserstift Haus St. Birgitta – Ev.-Luth. Kita St. Lorenz-Travemünde
  • Heiligen-Geist-Hospital – Kita Der Kleine MuKK
  • Senator Senioren-Residenz „Waldersee“ – Ev.-Luth. Kita St. Thomas
  • Seniorenhaus Hinrichs Kasino – Ev.-Luth. Kita St. Johannes
  • Seniorenhaus Hinrichs Moislinger Aue – Ev.-Luth. Kita Wichern I
  • Caritashaus Simeon – Städtische Kita Idun

In der Regel treffen sich Alt und Jung regelmäßig ein Mal im Monat, um gemeinsam zu singen, zu basteln und Zeit miteinander zu verbringen. Aus Erlebnissen wie diesen können Kinder und SeniorInnen viel mitnehmen. Kinder lernen, hilfsbereit und rücksichtsvoll mit älteren Menschen umzugehen, die Älteren erfahren Abwechslung von ihrem Alltag und gewinnen neue Lebensenergie. Ein vorrangiges Ziel ist es jedoch, beiden Generationen ein vertrautes Miteinander und Glücksmomente zu ermöglichen.

Die Treffen

Jeweils sechs Vorschulkinder und sechs Altenheimbewohner bilden ein Tandem, das ein Jahr lang zusammenbleibt. Wichtig ist dabei, dass sowohl die Jungen als auch die Alten diese Treffen wollen und sich freiwillig melden. Bei den regelmäßigen monatlichen Treffen ist sowohl eine ErzieherIn aus der Kita als auch eine BetreuerIn aus dem Seniorenheim dabei. Sie finden immer am gleichen Wochentag, im selben Raum und zur gleichen Uhrzeit statt. Bei den Treffen steht nicht das Für- sondern das Miteinander im Mittelpunkt. Durch den längerfristigen Kontakt kommt es zu einem Beziehungsaufbau. Alle erleben gegenseitige Wertschätzung und soziale Anerkennung, man freut sich auf die Treffen, Berührungsängste und Vorurteile werden abgebaut. Kinder übernehmen kleine Aufgaben für die Bewohnerpartner und fühlen sich wohl. Die Älteren können ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung einbringen und an nachfolgende Generationen weitergeben und erleben die Lebendigkeit von Kindern.

Das Projekt in Zeiten von Corona

Natürlich konnten in den letzten Monaten kaum Treffen zwischen den Kita-Kindern und den SeniorInnen stattfinden. Doch einige Kitas waren auch in dieser Zeit sehr kreativ und haben den Kontakt nicht abbrechen lassen. 

Die Ev.-Luth. Kita St. Johannes aus Kücknitz hat zusammen mit den Kindern ganz besondere Ideen entwickelt, um trotz des Lockdowns mit den SeniorInnen aus dem Seniorenhaus Hinrichs Kasino in Kontakt zu bleiben.

 

Fotos: Olaf Malzahn

Die Vorschulkinder Liam, Marie, Arsen und Luca haben im letzten Jahr an diesem Projekt teilgenommen. Da zu diesem Zeitpunkt keine persönlichen Treffen mit den SeniorInnen im Alter von 80 und 87 möglich waren, sie aber das Projekt aufrechterhalten wollten, war Kreativität und Fantasie gefragt. Sowohl die SeniorInnen als auch die Kinder verfassten zunächst „Steckbriefe“ mit Bild. So hatte jeder schon eine Vorstellung von seinem Partner und erfuhr z.B. die Lieblingsfarbe, das Lieblingsessen und auch welche Hobbies der andere hat. Auch Grußbotschaften per Postkarte wurden ausgetauscht. Die farbenfrohen Karten wurden von Frau Waack von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung in das Seniorenheim gebracht. Dabei konnte sie erleben, wie die BewohnerInnen sich darüber freuten. Bei einigen kullerten Freudentränen über die Wange. Sowohl die Kinder als auch die SeniorInnen lernten zudem auch den Vorteil der digitalen Medien kennen. Mittels eines Tablets haben beide Seiten Videoaufnahmen verfasst, die man sich gegenseitig zuschickte.  Es wurde trotz allem gemalt und gebastelt und die Ergebnisse kamen in einen „Partnerordner“, der zum Schluss ausgetauscht wurde. Zum Glück konnte man sich im Sommer dann doch noch einmal im Garten des Hinrichs Kasino richtig treffen. Dabei war die Freude auf beiden Seiten sehr groß und jeder hat seinen Partner sofort erkannt.

In der Kita St. Johannes werden momentan sechs neue Vorschulkinder auf das Projekt vorbereitet, die sich schon sehr auf das erste Treffen freuen. Hoffentlich kann dieses bald stattfinden.