Mit Kindern durch die Trennung

ein therapeutisches Lesebuch

Als Erziehungswissenschaftlerin gilt das Interesse von Ute Steffens seit jeher den Bedingungen einer gesunden kindlichen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund hat sie viele Jahre in der Erziehungsberatung von Trennungseltern und in der Ausbildung von ErzieherInnen gearbeitet. Sie lebt als freie Autorin in Schleswig-Holstein zwischen Deichen und Schafen, wo sie sich dem Schreiben und dem Engagement für Trennungskinder widmet. 

„Wir haben Sie zum Gespräch gebeten, weil Anton neuerdings ständig in Raufereien verwickelt ist. Das kennen wir so gar nicht von ihm.“; „Julia, nun hör doch mal auf – von deinen Nägeln ist ja schon nichts mehr übrig!“ oder „Jakobs Leistungen haben in den letzten Wochen stark nachgelassen. Er war bisher ein ausgeglichener Schüler…“ 

So oder ähnlich lauten Sätze, die auf verändertes Verhalten von Kindern hinweisen, wenn sich Eltern trennen. Wenn Eltern jedoch einen reflektierten, kindgerechten Umgang wahren, können Kinder lernen, auch mit schwierigen Situationen umzugehen.

Die Erziehungswissenschaftlerin hat viele Jahre in der Erziehungsberatung von Trennungseltern gearbeitet. Sie weiß: Scheidung und Trennung sind in unserer Gesellschaft schon lange keine Ausnahme mehr. Die  Erfahrung zeigt allerdings, dass die Sorge um das Wohl der Kinder immer bei der Entscheidung, zukünftig getrennte Wege zu gehen, mitschwingt und niemals leichtfertig getroffen wird. Denn alle Eltern wollen gute Eltern sein. 

Eine Trennung bedeutet für die Erwachsenen einen emotionalen Ausnahmezustand. Wenn diese Krise gemeistert wird, stellt sie für Kinder hingegen lediglich eine Veränderung dar. Mit vertrauensvoller, altersgerechter Begleitung kann deren Belastung deutlich reduziert werden. Ja, eine Trennung kann sogar eine echte Chance für eine ganz neue, tragfähige Eltern-Kind-Beziehung sein.

Allerdings reagieren Kinder aufgrund ihres Alters unterschiedlich auf die Situation. Während Kinder im Kindergartenalter ihre innere Anspannung,  wie der kleine Anton, häufig körperlich abzureagieren versuchen, reagieren Schulkinder oft mit nachlassenden Leistungen und Jugendliche nicht selten mit komplettem Rückzug. Ihre Eltern erreichen sie schlicht nicht mehr.

Wie gut Kinder eine Trennung verarbeiten, hängt ganz entscheidend davon ab, wie Eltern ihnen in dieser Krise begegnen. Trotz ihres unterschiedlichen Entwicklungsstands und den damit verbundenen Möglichkeiten, Bedürfnissen und inneren Glaubenssätzen ist Trennungskindern eines gemeinsam: Trennungen lösen ein spontanes, diffuses Schuldgefühl aus.

Kindergartenkinder, wie Anton, sind sehr zwiespältig in Bezug auf den gleichgeschlechtlichen Elternteil. Einerseits versuchen sie ihm nachzueifern, ihm gleichwertig zu sein, andererseits machen sie immer wieder die unvermeidliche, frustrierende Erfahrung, aus der erwachsenen Elternbeziehung ausgeschlossen zu sein, weil das gar nicht gelingen kann. Diese Erfahrung ist jedoch gut für die gesunde kindliche Entwicklung, denn so findet das Kind zu einem realistischen Selbstbild. Zieht der Vater eines Jungen oder die Mutter eines Mädchens aus, wollen kleine Kinder oft deren Platz an der Seite des verbleibenden Elternteils am Tisch oder im Elternbett einnehmen. „Mach dir keine Sorgen, Mama, jetzt kann ich ja dein Mann sein“, ist eine typische Aussage von Jungen im Vorschulalter.

Die Herausforderung für Trennungseltern besteht darin, sowohl authentisch als auch kindgerecht mit der Situation umzugehen. In diesem Falle könnte die Mutter zum Beispiel sagen: „Das ist total lieb von dir, Anton, aber ich bin ja schon groß und kann auf mich aufpassen. Wenn du groß bist, dann bist du vielleicht auch ein Papa, und dann kannst du auch in einem Elternbett schlafen.“ So vermittelt sie, dass das Kind seinen Vater keineswegs vertrieben hat, dass sie erwachsen und er ein Kind ist – und, dass sie nicht nur auf sich selbst aufpassen, sondern auch ihn gut beschützen kann. Damit gibt sie ihrem verunsicherten Sohn die Sicherheit, die er gerade jetzt so dringend braucht.

Aufgrund der Gemeinsamkeiten von Elterntrennungen hat die Autorin eine verfremdete Mutter, Anna, erschaffen, die stellvertretend für viele Eltern in 20 verdichteten therapeutischen Sitzungen die Trennung vom Vater ihrer beiden Kinder reflektiert und verarbeitet.

Dieses Konzept beruht auf vielen Gesprächen mit KlientInnen über deren Wünsche an einen Ratgeber in dieser schwierigen Krise, denn es kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus und bietet Anregungen und Informationen, damit LeserInnen eigene Lösungen finden, die auf ihre individuelle Situation passen.

Verlag: edition claus, ISBN: 978-3-98226-434-9, € 22,00