Wie geht es dem Lübecker Wald?

Ist unser Wald noch gesund oder hat auch er unter der Hitze und dem Borkenkäfer gelitten?

In den letzten Monaten las man immer wieder in der Presse, dass der deutsche Wald unten den beiden Hitzejahren extrem gelitten hat. Der Borkenkäfer, Waldbrände, Hitze und Nässe machen dem Wald zu schaffen. In einigen Regionen sterben die Bäume. Deutlich wird dies vor allem am Beispiel der Fichte, der in Deutschland am häufigsten anzutreffenden Baumart. Sie wächst schnell und ihr Holz ist vielseitig einsetzbar. Deshalb wurde sie in den letzten Jahrzehnten auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes angebaut. Noch vor 150 Jahren betrug ihr Anteil lediglich 3%. Dabei sind die Wälder von großer Bedeutung für uns und unser Klima. Die Bäume speichern das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2), der Waldboden filtert das Regenwasser, im Gebirge bewahrt er vor Steinschlägen und Lawinen und nicht zuletzt ist er Erholungsraum für uns Menschen. 

Doch wie sieht es im Lübecker Stadtwald aus? Sind hier auch so viele Schäden zu beklagen? Um dies in Erfahrung zu bringen, haben wir mit dem Förster Herrn Neumann und dem Forstamtsleiter Herrn Sturm gesprochen und uns erklären lassen, wie es um den Lübecker Wald steht.

Um es gleich vorweg zu sagen, unserem Wald geht es gut. Die rund 4.600 qm Wald haben unter der Hitze nicht gelitten und auch der Befall mit Borkenkäfern ist sehr gering. Gute Wirkung bei der Bekämpfung in den Revieren Falkenhusen und in Waldhusen zeigen sogenannte Fangbäume, die umgelegt werden und in denen sich die Borkenkäfer einnisten. Sorgen machen allerdings die Eschen, die von einem vermutlich aus Südostasien eingeschleppten Pilz befallen sind. Ansonsten ist der Wald, dank der in Lübeck seit 1994 praktizierten „Naturnahen Waldnutzung“ und der Zusammensetzung in einem guten Zustand. Im Gegensatz zu den üblichen Forsten in Deutschland, in denen der Fichtenanteil bis zu 40% beträgt, liegt dieser in Lübeck bei lediglich 8%. Das erklärt auch, warum der Befall mit Borkenkäfern kein großes Problem ist, da der Käfer besonders Nadelbäume befällt. 

In Lübeck pflegt man den Wald nach der Devise „Holz wächst an Holz“. Geschlagen wird nur der sogenannte Zuwachs. 10% der gesamten Waldfläche sind zudem Referenzflächen, in denen überhaupt keine Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, die also sich selbst überlassen sind. Innerhalb des Waldes wird in Lübeck nicht aufgeforstet, d.h. es werden keine neuen Bäume gepflanzt. Der Wald verjüngt sich so von alleine und die Bäume die wachsen, sind der Umgebung angepasst und widerstandsfähiger. Sogenannte Kalamitätsflächen, also Flächen, die durch Käfer, Wind, Hitze oder Nässe in Mitleidenschaft gezogen wurden, werden lediglich eingezäunt, damit die neuen Sträucher und Bäume ohne Wildverbiss wachsen können.

Natürlich wird auch im Lübecker Wald Holz geschlagen und verkauft. Jedes Jahr ist ein anderer Teil des Waldes dran, da dieser in sogenannte Pflegeblöcke aufgeteilt wurde, in denen etwa alle fünf bis sieben Jahre geerntet wird. Es wird aber nur das Holz geschlagen, das im Vorwege schon verkauft wurde. Nach der Ernte soll man nicht sehen, dass in den Wald eingegriffen wurde. Beim Schlagen der Bäume wird darauf geachtet, dass kein anderer Baum beschädigt wird. Ist das nicht möglich, bleibt er stehen. Das Holz in Lübeck ist von sehr hoher Qualität, so dass auch mit weniger Festmetern Gewinn erzielt werden kann. „Die Qualität macht den Gewinn“, sagt Herr Sturm. 

Um aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun, sollen in Lübeck eine Million neue Bäume gepflanzt werden. Dafür werden rund 100 Hektar Fläche benötigt, die nun gesucht und gefunden werden müssen. Der Bereich Stadtwald erstellt momentan eine Liste mit möglichen und geeigneten Flächen, die dann von den politischen Gremien genehmigt werden müssen. Dann könnte es losgehen mit der Aufforstung.

Herr Neumann und Herr Sturm sind sich einig, dass, wenn man dem deutschen Wald ein paar Jahre Ruhe und Erholung gönnen würde, die Wälder gewappnet wären und auch mal ein paar Jahre mit extremen Wettern gut überstehen würden. Das es geht, haben sie schon bewiesen.