Enkeltrick und falscher Polizeibeamte – Betrugsmaschen am Telefon

Wieder und wieder werden Betrüger in Lübeck und Ostholstein aktiv und versuchen am Telefon, an die Ersparnisse lebensälterer Bürgerinnen und Bürger zu gelangen. Falsche Rechtsanwälte, falsche Polizisten, falsche Freundinnen, falsche Ärzte… – die Betrüger schöpfen ihr Repertoire an Legenden aus. 

Dazu kommen noch telefonische Mitteilungen von angeblichen Gewinnen oder vermeintlichen Erbschaften aus dem Ausland, welche erst durch die Überweisung einer Verwaltungsgebühr auf Ihr Konto überwiesen werden können.

Durch gezielte Aufklärung bleibt es in den meisten Fällen glücklicher Weise bei einem Versuch, da die angerufenen Personen den Trick durchschauen und sofort auflegen. Schon wird ein folgenschwerer persönlicher und auch finanzieller Schaden verhindert.

Im Jahr 2020 ist es landesweit bei fast 3.700 angezeigten Fällen zu mehr als 60 vollendeten Betrugsfällen dieser Art gekommen. Dabei wurden über 1,5 Millionen Euro dreist ergaunert. Den Senioren wurde ihr lang erspartes Vermögen ohne Skrupel in perfider Form abgeluchst. Neben dem Verlust des Geldes bleibt immer auch eine große Scham, dass man einem Betrüger aufgesessen ist und das Vermögen dadurch verloren hat.

Guten Tag, mein Name ist …

„Guten Tag, mein Name ist Rechtsanwalt Meier, ihr Sohn hat heute ein Kind überfahren und getötet, jetzt benötige ich 20.000,00 Euro, damit er aus der Untersuchungshaft freikommt.“ Oder: „Guten Tag, die Polizei in Neustadt: Ihr Sohn hat jemanden bei einem Verkehrsunfall getötet, ich benötige 30.000,00 Euro damit er aus der Haft entlassen wird.“ Oder: „Hallo, ich bin es, deine alte Freundin, kennst du mich nicht mehr? Ich brauche ganz dringend Geld, kannst du mir etwas leihen?“ Oder ganz perfide: „Hier ist dein Sohn, ich liege im Krankenhaus mit Corona und brauche Geld für ein neues Medikament aus Israel, ich gebe dir mal den Arzt.“ – Falscher Arzt: „Hallo, das Medikament kostet 26.000,00 Euro, bitte übergeben Sie die Summe am Klinikeingang.“   

Die Maschen der Betrüger waren unterschiedlich, fast alle riefen jedoch mit unterdrückter oder fingierter Telefonnummer an. Der Anruf mit der tragischen Nachricht löste bei vielen der lebensälteren Angerufenen zunächst einen kurzen Schockmoment aus. Viele erkannten jedoch bereits am Telefon, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte und legten schnell auf.  

In vielen Fällen wurden die Geschädigten zunächst nach ihrem Geburtsdatum gefragt, angeblich wegen eines Datenabgleiches. Die Telefonnummern hatten sich die Betrüger offensichtlich aus Telefonverzeichnissen besorgt und darin nach älter klingenden Vornamen gesucht.

Verhaltenstipps bei betrügerischen Anrufen 

Um den Betrügern am Telefon auch weiter keine Chance zu geben, gibt die Polizeidirektion Lübeck noch einmal Verhaltenstipps bekannt:

  • Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen oder finanziellen Verhältnisse, geben Sie keine personenbezogenen Daten heraus.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.
  • Legen Sie auf und rufen Sie ihre Angehörigen per Eingabe der Telefonnummer und nicht mit Nutzung der Rückruftaste zurück. 
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
  • Informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen eine Kontaktaufnahme verdächtig vorkommt: Rufnummer 110.
  • Die Polizei ruft nicht mit unterdrückter Rufnummer an, auch nicht mit der 110.
  • Ruft Sie ein angeblicher Polizist mit unterdrückter Nummer an, legen Sie auf, rufen Sie bei der richtigen Polizei an.
  • Wichtige Telefonnummern der örtlichen Polizei und der Familienangehörigen sowie deren Arbeitsstätte sollten direkt in Reichweite neben dem Telefon stehen, damit im Zweifelsfall die Nummern sofort präsent sind. 
  • Informieren Sie als Angehörige Ihre Eltern über die aktuellen Betrugsversuche und sprechen Sie intern mit Ihnen ab, wie in einem Verdachtsfall vorzugehen ist, beispielsweise mit einem familieneigenen Passwort, welches auf der Notfallkarte notiert werden kann. 
  • Lassen Sie gegebenenfalls den Vornamen und die Adresse aus den Telefonverzeichnissen streichen.
  • Gewinnen können Sie nur, wenn Sie auch an einem Gewinnspiel teilgenommen haben, notieren Sie sich ggf. Ihre Gewinnspielteilnahmen. 
  • Gehen Sie nicht auf Zahlungsforderungen ein, wählen Sie auch keine kostenpflichtigen Telefonnummern.

Autorin: Silke Ziemann – Präventionsstelle der Polizeidirektion Lübeck