Wasser marsch

Die Feuerwehr übt auf Kinder schon immer eine große Anziehungskraft aus. Für viele Kinder ist der Feuerwehrmann/-frau ein Berufswunsch und was gibt es schöneres als beim Dorf- oder Kinderfest eine Runde mit dem großen Feuerwehrauto zu drehen. 

In Lübeck gibt es neben der Berufsfeuerwehr noch 22 Freiwillige Feuerwehren (FWW), eine Werksfeuerwehr, den Löschzug-Gefahrgut sowie derzeit 14 Jugendfeuerwehren. 2018 wurde auch die erste Kinderfeuerwehr von der Freiwilligen Feuerwehr Wulfsdorf/Vorrade gegründet. 

Bereits 2016 hat Hanna Schiller, Hauptfeuerwehrfrau bei der Wulfsdorfer Wehr, inoffiziell die „Löschzwerge“ ins Leben gerufen. Erst eine Gesetzes­änderung und ein Beschluss der Bürgerschaft machten es möglich, dass die Kinderfeuerwehr auch offiziell ihren Dienst aufnehmen konnte. Maximal 10 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren umfasst die Kinderwehr, die vom ersten Tag an „ausgebucht“ war. Spielerisch erlernen die Kinder hier erste Grundlagen der Feuerwehr.

Die erste Kinderwehr der Freiwilligen Feuerwehr Wulfsdorf/Vorrade

Wir haben uns mit der Initiatorin, Hanna Schiller, 31 Jahre, verheiratet und Mutter von zwei Kindern im Alter von 4 und 1 1/2 Jahren, die noch 20 Stunden als Lehrerin arbeitet, im Feuerwehrhaus in Wulfsdorf getroffen. 2012 ist sie in die Wehr eingetreten und wurde gleich stellvertretende Jugendwartin. Schnell war es ihr Anliegen, neben der vorhandenen Jugendwehr, auch den Kindern unter 10 Jahren eine Möglichkeit zu bieten, sich aktiv an der Feuerwehr zu beteiligen. „Hier auf dem Dorf haben die Kinder natürlich einen ganz anderen Zugang zur Feuerwehr. Sie wachsen quasi mit ihr auf. Oft sind die Eltern in der Wehr und bei Festen ist auch die örtliche Wehr immer dabei.“ So hat sie dann 2016, zusammen mit drei weiteren Kameraden, alle 14 Tage mit damals 15 Kindern die ersten „Feuerwehrdienste“ für Kinder organisiert. Mit viel Engagement und Zeit gelang es ihr, mittels Spenden und aus eigenen Mitteln, „Einsatzschutzkleidung“ für die Kinder anzuschaffen. Geld von offizieller Stelle gab es leider nicht. Dass die Helme nicht von Dräger sondern aus dem Karnevalsbedarf stammen, spielt dabei keine große Rolle. Wie bei den Großen hängen die Uniformen im Feuerwehrgerätehaus und werden vor jedem Dienstbeginn angezogen.

Im Gerätehaus befindet sich ein Schulungsraum für die momentan 37 aktiven Kameraden und Kameradinnen und natürlich die Fahrzeughalle. Dort stehen ein Tanklöschfahrzeug (TLF) mit Baujahr 1990 sowie ein Löschgruppenfahrzeug (LF) aus dem Jahr 2000. Ein Mannschaftstransportwagen (MTW) ist im alten Gerätehaus untergebracht. Es ist ganz schön eng in der Halle. Die beiden Fahrzeuge stehen hintereinander. Viel Platz ist hier rechts und links nicht mehr. Die Umkleide für die Feuerwehrmänner und –frauen ist rechts davon in einem Flur untergebracht. Hier hängt die Schutzbekleidung und man kann sich vorstellen, was hier bei einem Alarm los ist, wenn jeder so schnell wie möglich seine Uniform anzieht. Aber das Team ist eingeübt und Frau Schiller erzählt, dass nach Alarmauslösung, in der Regel das erste Fahrzeug nach vier Minuten die Wache verlässt. 

Aber wo ist denn nun die Uniformen der Kinderfeuerwehr? Frau Schiller zeigt sie mir. Versteckt hinter einem Fahrzeug an der Wand, sind sie schön aufgereiht an einer Garderobe. Leider haben die Löschzwerge bis jetzt keinen richtigen Platz in dem eigentlich viel zu kleinen Haus der FFW. Aber das wird sich bald ändern. Der Flughafen Lübeck hat der Wehr einen kleinen Container gespendet, der zum Hauptquartier der Löschzwerge werden wird. Kameraden sind dabei, ihn entsprechend herzurichten. Frau Schiller ist sehr dankbar, dass sie nun bald einen eigenen Platz auf dem Gelände haben werden. Sie freut sich schon, diesen mit den kleinen Feuerwehrmännern und –frauen einzuweihen. Wann das sein wird, steht allerdings noch in den Sternen. Im März letzten Jahres war, Corona bedingt, der letzte gemeinsame Dienst. Seitdem fanden keine Treffen mehr statt. Schon sehnsüchtig wartet die Leiterin der Kinderwehr zusammen mit den kleinen Kameraden auf den Tag, an dem sie sich wieder treffen können. Dann heißt es endlich wieder „Wasser marsch“ und es geht weiter mit Gerätekunde, Geschicklichkeitsspielen, Funkübungen und ganz wichtig: Verpflegung.

Mittlerweile fehlt vielen Freiwilligen Feuerwehren der Nachwuchs. Deshalb ist die Kinder- und Jugendarbeit der Wehren besonders wichtig. Wenn schon früh das Interesse an der Feuerwehr geweckt wird, bleiben viele auch später dabei. Rund 80% der Kinder, die in den letzten Jahren in der Kinderfeuerwehr waren, sind mit 10 Jahren in die Jugendwehr gewechselt. Viele Jugendliche der Jugendwehren bleiben darüber hinaus der Feuerwehr treu. Man sieht, eine Investition in den Nachwuchs lohnt sich. Schade, dass es in Lübeck bis jetzt nur diese eine Kinderwehr gibt.  

Das Ehrenamt

Rund 31 Millionen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit in einem Ehrenamt für das Gemeinwohl. Sei es in einem Sportverein, bei der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk (THW), im Seniorenheim, bei den Kirchen, den Pfadfindern, in den Komunen, im Rettungsdienst und in den unzähligen Vereinen in Deutschland. 
Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer würde vieles nicht stattfinden. Es bereichert das Zusammenleben unserer Gesellschaft und hilft Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. 
Die Gründe für ein Ehrenamt sind vielseitig. Die Freude, mit seinen Fähigkeiten und Talenten anderen zu helfen, ein Ausgleich nach der Arbeit, Interesse an einer Sache… Das Ehrenamt benötigt Zeit und die Bereitschaft, unentgeltlich zu arbeiten. Aber wenn man „sein“ Ehrenamt gefunden hat, ist man dazu gerne bereit. 

In Lübeck gibt es sogar einen Verein, der sich um das Ehrenamt kümmert. ePunkt – das Lübecker Bürgerkraftwerk ist ein gemeinnütziger Verein, der soziales und bürgerschaftliches Engagement fördert und engagierte Menschen zusammen bringt. Das Herzstück des Lübecker Bürgerkraftwerks ist die professionell geführte Freiwilligenagentur ePunkt: Hier erfolgt eine passgenaue Vermittlung, Beratung, Begleitung und Qualifizierung von Ehrenamt in Lübeck. Besonders nachbarschaftliches Engagement wird gefördert. Deshalb gibt es auch schon seit fünf Jahren den „Lübecker Nachbarschaftspreis“. In diesem Jahr steht dieser unter dem Motto „Mensch und Natur – Ziemlich beste Nachbarn“. Der Preis ist mit EURO 10.000 dotiert und wird am 3. März vom schleswig-holsteinischen Umweltminister Jan Philipp Albrecht feierlich an den Gewinner übergeben.

Mehr Infos zum Ehrenamt finden Sie unter www.epunkt-luebeck.de oder www.ehrenamt.bund.de.