Handys in der Schule

Die Nutzung von Smartphones in den Schulen hat in den letzten Jahren stark zugenommen und stellt sowohl Lehrer als auch Schüler vor neue Herausforderungen.

Ein grundsätzliches Verbot der Mitnahme von Handys verstößt in Deutschland gegen die allgemeine Handlungsfreiheit aus Art 2 Abs. 1 des Grundgesetzes. Entsprechend gibt es auch in keinem Bundesland eine solche Regelung. Den Umgang mit dem Handy, regelt in den meisten Fällen die Schulordnung.

In einer Kinder- und Jugendstudie hat der Branchenverband Bitkom im vergangenen Jahr berichtet, dass 66 Prozent der sechs bis neun Jahre alten Kinder und 92 Prozent der zehn bis zwölf Jahre alten Schüler ein Handy nutzen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät in ihren Elterninformationen dazu, Kindern unter neun Jahren kein eigenes Handy zur Verfügung zu stellen.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will prüfen, ob die Handynutzung in Grundschulen durch einen Erlass verboten wird. Kinder brauchten dringend Räume, in denen sie sich auch ohne digitale Endgeräte bewegen könnten – auch in den weiterführenden Schulen, sagte Prien in einem Interview. Die ständige Nutzung und die stetige Präsenz auf Plattformen und in sozialen Medien beeinflussten das Sozialverhalten der Kinder äußerst negativ. Kinder spielten weniger miteinander, sprächen weniger miteinander und verlagerten ihre Kommunikation selbst dann in den digitalen Raum, wenn sie zusammen seien. Die negativen Folgen sind für Prien vor allem im Vorschulalter in den Kitas zu erkennen. Dort hätten die Handys wirklich nichts zu suchen. Sie wirkten sich negativ auf Sprachfähigkeit, Motorik und Sozialverhalten aus.

Es sollte eigentlich klar sein, dass während des Unterrichtes nicht mit dem Handy gespielt werden soll. Auch klingeln oder vibrieren stört den Unterricht. Dann sind die Lehrer grundsätzlich berechtigt, das Telefon einzukassieren. Wie lange, da scheiden sich oft die Geister. Eine einheitliche Regelung wäre wünschenswert. Während des Unterrichtes sollten alle Telefone ausgeschaltet sein. Eine Nutzung während der Pause, könnte dem Alter angepasst werden. Frankreich hat als einziges Land in Europa klare Regeln geschaffen. Seit 2018 dürfen nach einem Parlamentsbeschluss alle Schüler bis zum Alter von 15 Jahren keine Mobiltelefone in der Schule benutzen. Die Niederlande will diesem Beispiel nun folgen.

Die letzte Iglu-Studie hat ergeben, dass jeder vierte Viertklässler nicht richtig lesen kann. Das liegt nicht nur am Lehrermangel, Corona, Integration oder Inklusion. Diese Tendenz ist bereits seit 2011 zu erkennen. Mit ein Grund wird auch die Zunahme der Smartphone-Nutzung sein. Damit ist nicht nur die Zeit gemeint, die die Kinder und Jugendlichen selbst an digitalen Geräten verbringen, sondern auch das Verhalten der Eltern, schon im Kleinkindalter. Smartphones stehlen viel Zeit und lassen die fürsorgliche Aufmerksamkeit der Erwachsenen verkümmern. Ständig wird nachgeschaut, etwas gepostet, WhatsAppen während des Stillens oder Spaziergehen ist wichtiger als Blickkontakt und Erzählen mit dem Baby.

Eine BLIKK-Studie von 2017, eine empirische Querschnittstudie mit 5.573 einbezogenen Kindern und Jugendlichen aus 79 Kinder- und Jugendarztpraxen, zeigte deutlich, dass Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen, körperliche Hyperaktivität und innere Unruhe bis hin zu aggressivem Verhalten in dem Maße zunehmen, wie digitale Medien im (Klein)Kind(es)alter genutzt werden. Eltern reagieren bei der Nutzung portabler digitaler Geräte oft weniger feinfühlig auf ihre Kinder.

Digitale Endgeräte sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Digitaler Unterricht in Schulen ist wichtig und nötig. Noch wichtiger aber ist, hin und wieder eine Pause einzulegen und analoge Zeit zu verbringen. Dabei spielt natürlich auch die Vorbildfunktion der Erwachsenen, besonders der Eltern, eine große Rolle. Also Handys weg bei den Mahlzeiten, miteinander reden und Zeit miteinander verbringen. Wir müssen unseren Kindern die analoge Zeit attraktiv gestalten, dann tritt das Handy automatisch in den Hintergrund – und das natürlich auch in der Schule.

2008 entwickelte der französische Psychologe Serge Tisseron die „3-6-9-12“-Regel. Sie besagt: Kein Fernsehen unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren, Internet erst ab 9 Jahren und soziale Netzwerke erst ab 12 Jahren.

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