Zeckenalarm

Wie andere Insekten mit Stech- oder Beißwerkzeug übertragen Zecken eine Vielzahl von Krankheitserregern durch Hautverletzungen. Speziell bei Zecken, „Holzböcken“, ist aber die Übertragung von Borrelien und Arboviren als Krankheitsauslöser bekannt. Zecken sind nur Wirte, die u.a. diese Mikroorganismen übertragen.
Zecken als Krankheitsüberträger leben in Bodennähe; man findet sie vor allem im Wald, auf Wiesen und in Gärten. Sie leben aber auch in Anlagen mit Schwimmbädern und Spielplätzen, die von hohem Gras und Gebüsch umgeben sind. Zecken steigen auf Gräser und Sträucher bis zu einer Höhe von 1,5 m. Der Mensch streift beim Gang durch die Natur oftmals die Zecken von Gräsern und Sträuchern unabsichtlich ab. Die Hauptaktivität der Zecken dauert vom Frühjahr bis in den Spätherbst.

Vorbeugung:

Vorsichtsmaßnahmen vor einer Zeckeninfektion können das Tragen von ausreichend langer Kleidung mit Kopfbedeckung und ggf. Kragen sein oder die Anwendung von Repellents, d.h. Mittel, die durch Gerüche die Zecken abwehren. Durch Einsatz von Insektiziden werden selbstverständlich auch Zecken abgetötet, andererseits die Umwelt belastet. Außerdem verringern alle diese Schutzmaßnahmen nur das Risiko, einen Zeckenbiss zu erhalten und sind kein ganz sicherer Schutz vor den Erkrankungen.

Maßnahmen:

Sollte eine Zecke dennoch einen Menschen mit ihrem Mundwerkzeug gebissen haben, so sollte die Zecke möglichst rasch entfernt werden: Die Länge der Haftzeit ist entscheidend für die Infektionswahrscheinlichkeit. Um die Zecken im Ganzen zu entfernen, gibt es einige handelsübliche Hilfsmittel: spezielle Zeckenzangen aus Plastik oder besser aus Metall und sog. Zeckenkarten aus Kunststoff mit einem Schlitz, um die Zecke aus der Haut zu hebeln. Machmach gelingt das dem medizinischen Laien nicht rückstandsfrei, dann kann es ratsam sein, den Kinder- und Jugendarzt den Zeckenrest entfernen zu lassen. Eine geschickte Vorgehensweise ist mitunter die erste Zecke beim Kind vom Kinder- und Jugendarzt entfernen zu lassen, um dadurch eine gewisse praktische Anleitung zu erhalten. Desinfektion des Hautareals ist selbstverständlich.

© Pfizer
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Erkrankungen:

Auch eine schnell entfernte Zecke ist keine Garantie für keine Erkrankung. Neben einer lokalen Hautreizung nach Zeckenbiss ist die durch Borrelien hervorgerufene Wanderröte, eine ca. 2 EURO Stück große Rötung mit rotem Randsaum, gefürchtet. Diese kann gut antibiotisch durch den Arzt behandelt werden. Weitere Krankheitserscheinungen durch Borrelien sind das Lymphozytom, eine Lähmung des Gesichtsnerves oder Meningits sowie rheumatische Erkrankungen als Spätstadien. Insgesamt bieten Borrelien-Erkrankungen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, sind aber von ihrem Erscheinungsbild generell bei Kindern nicht so diffus wie bei Erwachsenen, sondern in ihrem Verlauf viel spezifischer.

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Blutuntersuchungen sind von begrenzter Bedeutung, da ein Borrelien Kontakt durchaus auch „serologische Narben“ verursachen kann, andererseits auch eine frische Borrelieninfektion im Blut noch nicht „umgeschlagen“ haben kann.


Eine Impfung gegen Borrelien ist aufgrund der Artenvielfalt noch nicht möglich!

Arboviren sind ebenfalls gefürchtete Erreger einer speziellen Meningoenzephalitis, bei denen Zecken als Vektoren, Überträger, dienen. Diese Form der Meningoenzephalitis ist lebensbedrohlich, denn es gibt keine spezifische Therapie dagegen. Arboviren kommen jedoch nicht in Norddeutschland vor, sondern sind mehr in Baden-Württemberg, Bayern, Teilen Österreichs und der Schweiz, sowie in bestimmten Regionen Skandinaviens und im Baltikum und Russland vertreten.

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Bei Reisen oder Aufenthalten in diese Gebiete ist eine Impfung in rechtzeitiger Absprache mit dem Arzt sinnvoll. Gerne ca. 3-6 Monate vor Reisen in diese Endemiegebiete sollte mit der Impfung gestartet werden, da mehrere Injektionen notwendig sind. Für den Notfall gibt es gibt bei kurzfristigen Reisen in mit Arboviren gefährdeten Gebieten auch eine Schnellimmunisierung; das konventionelle Schema ist aber besser.
Wenden Sie sich dazu auch gerne an den jeweiligen Kinder- und Jugendarzt Ihres Vertrauens

Autor
Dr. med. Julian Glattfelter
Facharzt für Kinder- u. Jugendheilkunde
Grönauer Heide 3, 23627 Groß Grönau