Warum Kinder ein Haustier brauchen

Der Alltag unserer Kinder ist doch ziemlich gut durchgetaktet. Sie sind den ganzen Tag ausgelastet… Ganztagsschule, Hausaufgaben oder Hobbys wie Sport oder Musik. Bleibt den Kindern neben dem Lernen und dem Erwachsenwerden überhaupt noch Zeit für ein Haustier?

Eine Antwort darauf muss natürlich jeder für sich selbst finden. Ich bin allerdings der Meinung, wenn man sich für ein tierisches Familienmitglied entscheidet, tut man seinen Kindern etwas Gutes. Voraussetzung dafür ist, es handelt sich um ein passendes Tier, die Kinder haben das richtige Alter, keine Allergien oder sonstige gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Die Zuneigung von Tieren ist nicht an äußerliche Bedingungen geknüpft

Ein Haustier kann für Kinder Spielkamerad, Trostspender, Gesprächspartner und noch vieles mehr sein. Haustiere senken den Stress. Alleine nur die Anwesenheit und das Streicheln eines Tieres wirkt sich beruhigend auf das Kind aus. Haustiere stärken das Immunsystem. Dies trifft besonders auf Hunde zu, die mehrmals täglich ausgeführt werden müssen. Die frische Luft und die Bewegung tun jedem gut. Im Umgang mit dem Tier übt das Kind sich in Rücksichtnahme, Verantwortung, Fürsorge und Freundschaft. Tiere können dazu beitragen, dass sich Kinder ganzheitlich entwickeln, weil sie sowohl kognitiv als auch in ihren emotionalen Fähigkeiten gefördert werden und nonverbale Kommunikation entwickeln.  Es ist den Tieren nicht wichtig, wie jemand aussieht, welche Haar- oder Hautfarbe derjenige hat, welche Klamotten er trägt – das alles spielt keine Rolle. Ihre Zuneigung ist nicht an äußerlichen Bedingungen geknüpft. Diese Erfahrung ist für Kinder, die in einer Welt leben, in der das optische Erscheinungsbild eine wichtige Rolle einnimmt, sehr wertvoll. 

Ein Haustier ist ein Begleiter in einem Lebensabschnitt

Keine Frage, ein Haustier kostet viel Zeit und Geld und manchmal auch viele Nerven. Sie geben uns aber auch viel zurück und können ein Ruhepol und Ausgleich für unseren schnelllebigen Alltag sein. Für uns ist das Haustier ein Begleiter in einem unserer Lebensabschnitte. Für das Tier sind wir oft lebenslange Begleiter… das sollte uns bewusst sein. 

Als Kind habe ich mir immer einen Hund gewünscht. Meine Eltern kamen meinem Wusch leider nicht nach und so musste ich warten bis ich erwachsen war. Jetzt lebe ich mit meinem Mann, den beiden Kindern und unseren zwei Hunden in einem kleinen Hause am Rande von Lübeck. Meine Affinität zu Hunden hat mich immer begleitet und so bin ich durch unsere Hundetrainerin mit dem Thema Tiergestützte Pädagogik in Berührung gekommen. Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt und auseinandergesetzt.

Tiergestützte Pädagogik

Tiere nehmen in der Welt von Kindern einen wesentlichen Platz ein. Sie sind Impulsgeber für viele Lernprozesse. Das habe ich in meiner täglichen Arbeit mit Kindern immer wieder zu spüren bekommen.  Aus diesem Grund habe ich mich vor zwei Jahren dazu entschlossen, mit einem unserer beiden Hunde, nämlich Pepper, eine Ausbildung zum Besuchshund anzustreben. Der Hund eignet sich hervorragend als Medium der tiergestützten Arbeit und lässt sich in viele erzieherische und heilpädagogische Bereiche integrieren. Durch den gezielten Einsatz des Hundes werden den Kindern in indirekter Weise die Möglichkeiten eröffnet, Kompetenzen in unterschiedlichen Entwicklungsbereichen zu entwickeln und zu stärken. Es werden die Sinne angeregt, Emotionen werden wachgerufen und begünstigen damit die Entwicklung von Achtsamkeit, Mitgefühl und Respekt. Im Zusammenhang mit dem Tier werden Lernprozesse im sozial-emotionalen Bereich, die zwischenmenschliche Kommunikation, soziale Fähigkeiten und nicht zuletzt das Verantwortungsgefühl gestärkt.

In unserer Einrichtung setzten wir meinen Hund Pepper als Co-Pädagogen ein. Er hält sich für einen begrenzten Zeitraum am Tag in einer Gruppe auf. Im Gruppenraum hat er die Möglichkeit, Kontakt zu den Kindern aufzunehmen, aber auch einen Bereich, der für die Kinder sichtbar markiert ist, der ihm Rückzug bietet. Der Kontakt zu dem Hund findet ausschließlich in Begleitung der pädagogischen Fachkräfte statt.

Vorerst steht der Beziehungsaufbau im Fokus. In einer Kleingruppe erarbeiten wir Regeln für den Umgang mit Pepper und lernen die körperlichen Signale des Hundes zu deuten. Während der Projektphase erwerben die Kinder wichtige Erkenntnisse und Handlungsweisen im Umgang mit dem Hund. Lernimpulse durch unterschiedliche Settings wie zum Beispiel Rollenspiele, Bewegungsangebote oder Experimente im Bereich der Sinneswahrnehmung werden gesetzt. Auch das Thema „Händewaschen“ gehört dazu.  

Zum Projektabschluss erhalten die Kinder einen „Hundeführerschein“, für den sie eine altersgemäße und spielerische Prüfung absolvieren  Am schönsten ist es jedoch, die lachenden Kinderaugen zu sehen, wenn Pepper den Raum betritt. Die Kinder haben so viel Freude und Spaß mit ihm und Pepper auch mit den Kindern. 

Autorin:
Sandra Zornow-Gerigk, 46 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie und den beiden Hunden in Lübeck. Die ausgebildete Erzieherin und Motopädin arbeitet seit zehn Jahren bei dem freien Träger Kinderwege gGmbH. Anfänglich war sie im Gruppendienst in einer integrativen Einrichtung tätig und ist dann vor vier Jahren in die Frühförderung gewechselt. Seit Anfang des Jahres unterstützt sie das Team der Fachberatung – Schwerpunkt Heilpädagogik bei Kinderwege.

Ausbildung zum Besuchshund

Die Ausbildung dauert ca. ein halbes Jahr. Um für die Ausbildung zugelassen zu werden, muss sich der Hund einem Eignungstest unterziehen, um zu prüfen, ob die Ausbildung für den Hund geeignet ist.

Folgende Merkmale sollte ein künftiger Besuchshund mitbringen:

  • sehr gute Sozialisierung auf sein Umfeld
  • Gelassenheit im Umgang mit fremden Menschen
  • Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Situationen
  • hohe Impulskontrolle
  • hohe Stresstoleranz
  • Fähigkeit, sich über längeren Zeitraum zu konzentrieren
  • solider Grundgehorsam

Die Weiterbildung besteht aus einem theoretischen und einem praxisbezogenen Teil mit insgesamt 56 Unterrichtsstunden. Die Themen sind vielschichtig und beinhalten unter anderem fundierte Grundlagen in der Einschätzung von Körpersprache und Kommunikation bei Hund und Mensch, Grundlagen im Tierschutzrecht, in Ethik, der Anatomie des Hundes, Einführung in die Neurobiologie von Stress und Angst bei Mensch und Hund und noch einiges mehr.
Am Ende der Ausbildung erfolgt eine praktische und eine theoretische Prüfung. Die Ausbildung kostet rund € 1.000,00.
Wer hundeaffin ist und Lust hat ,seinen Hund in seinem Arbeitsalltag mit einzubinden, dem kann ich die Ausbildung nur ans Herz legen. Sie hat mir unheimlich viel Spaß gebracht und den Bereich Kommunikation und Körpersprache fand ich besonders spannend.