Sinne entdecken – ein Küchen-Abenteuer für die ganze Familie

Sie sitzen täglich mit Ihrer Familie gemeinsam am Tisch und essen. Wenn Sie aber nicht nur Ihren Hunger stillen wollen, sondern das Essen auch sinnlich erleben möchten, ist es wichtig, die Sinne wachzurütteln und zu sensibilisieren. Doch nicht nur der Genuss wird durch die Sinnes-Erlebnisse verstärkt, sondern es führt auch zu einer gesunden Ernährung. Sie bekommen ein Gefühl, welche Nahrungsmittel für Sie und Ihre Familie bekömmlich sind und das verhindert oftmals Krankheiten. Und Sie sind in der Lage, alltägliche Nahrungsmittel durchaus kritisch zu beurteilen.

Kinder haben oftmals keinen Bezug zur Lebensmittelerzeugung und wissen nicht, wie frische Produkte riechen, schmecken und sich anfühlen. Das merke ich auch immer wieder in den Kochkursen, die ich regelmäßig in Schulen durchführe. Wecken Sie den Entdeckergeist Ihrer Kinder. Erforschen und entdecken Sie zusammen mit ihnen die Geschmacksvielfalt in unseren unterschiedlichen Lebensmitteln. Kinder sind neugierig. Sie finden es spannend, wenn das Essen beim Kauen interessante Geräusche macht, auf der Zunge prickelt oder einen intensiven Geschmack hat. Geben Sie Ihren Kindern die Möglichkeit, viele Erfahrungen zu sammeln. Also vieles zu probieren und kennen zu lernen und spielerisch mehr über gesunde Ernährung und Aussehen, Geschmack, Geruch und Konsistenz von Lebensmitteln zu erfahren. Aktivieren Sie gemeinsam mit Ihren Kindern alle fünf Sinne: Schmecken, Riechen, Hören, Sehen und Fühlen.

Nutzen Sie den Forscherdrang Ihrer Kinder! Machen Sie ein Spiel daraus:

Nehmen Sie sich Zeit. Führen Sie mit einfachen Mitteln Sinnesübungen und Spiele durch, die beliebig oft wiederholt und variiert werden können. Bauen Sie verschiedene Stationen auf. Erklären Sie Ihrem Kind zur Einstimmung, was die fünf Sinne sind und was ein Sinnesorgan ist. Gehen Sie zusammen auf Entdeckungsreise. Ist Ihr Kind schon älter, entwickeln Sie vielleicht einen Beurteilungsbogen. Das Ausfüllen und Auswerten macht den Schulkindern viel Spaß. Beispiele dafür bekommen Sie auf Anfrage von mir. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Seien Sie kreativ.

Schmecken 

Aufgabe: Wie schmecken Nahrungsmittel? 

Wählen Sie Lebensmittel mit unterschiedlicher Geschmacksrichtung aus; zum Beispiel Zitronen, Salzstangen, Endivien-Salat, Marmelade. Lassen Sie Ihre Kinder probieren. Stellen Sie Fragen: Wie schmeckt was? Variante: Verbinden Sie Ihren Kindern beim Testen die Augen, dann wird der Geschmack noch intensiver wahr genommen. Die Kinder lernen dadurch, die wahrgenommenen Geschmacksmischungen bei Lebensmitteln in süß, sauer, salzig und bitter einzuteilen.

Anmerkung: Kinder schmecken empfindsamer als Erwachsene, weil sie deutlich mehr „Geschmacksknospen“ besitzen und schmecken vor allem bitter viel intensiver. Deshalb verweigern Kinder oftmals viele Gemüsearten.

Riechen

Aufgabe: Wie riechen Nahrungsmittel?

Bereiten Sie verschiedene Riechproben vor. Füllen Sie aromatische Speisen, Pflanzen und Gewürze jeweils in kleine Behälter mit Deckel. Beispiele: Orange, Schokolade, frisches Brot, Vanille. Lassen Sie die Teilnehmer in Ruhe riechen. Wie riecht was? Wichtig: Bei diesem Spiel müssen die Augen verbunden werden. Die Kinder lernen dadurch, dass durch das Einatmen des Duftes Nahrungsmittel erkannt werden können.

Anmerkung: Wir verbinden mit Gerüchen auch Erinnerungen. Denken Sie zum Beispiel an Zimt oder Vanille zur Weihnachtszeit. Und Gerüche warnen uns. Riecht etwas komisch, zum Beispiel verdorbener Fisch, lassen wir die Finger davon.

Hören

Aufgabe: Welche Geräusche machen Nahrungsmittel beim Essen und Trinken?

Wählen Sie Lebensmittel aus, die man beim Abbeißen bzw. Essen „hören“ kann. Äpfel, Knäckebrot, frische und alte Butterkekse sind gut geeignet. Allen Familienmitgliedern, außer einem, müssen die Augen verbunden werden. Der „Sehende“ sucht ein Nahrungsmittel aus und kaut es den anderen Teilnehmern vor. Die „Rater“ sollen zunächst benennen, welche Geräusche sie beim Essen hören; laute, leise, knackige…; und danach erraten, welches Lebensmittel ausgesucht wurde.

Die Kinder lernen dadurch, dass Essgeräusche nicht nur Schmatzen oder Schlürfen sind, sondern uns auch viele Informationen über die Frische und Beschaffenheit der Lebensmittel geben. Beispiel: frische Butterkekse oder alte? Der Unterschied ist deutlich zu hören.

Anmerkung: Lebensmittel verursachen viele Geräusche beim Abbeißen und Kauen. Die Geräusche helfen bei der Einschätzung von Lebensmitteln.

Fühlen

Aufgabe: Wie fühlen sich Nahrungsmittel an?

Für diese Übung werden verschiedene Lebensmittel in einen großen blickdichten Stoffbeutel (Kissenbezug, Einkaufsbeutel), gefüllt. Nehmen Sie dafür festes Obst (raue Kiwi und glatter Apfel) Nüsse, Nudeln… Einer zurzeit fasst ohne hinein zu sehen in den Beutel und versucht, die Nahrungsmittel durch das Fühlen zu benennen. Die Kinder lernen dadurch, dass der Tastsinn uns genaue Informationen über die Form, Struktur und Konsistenz von Lebensmitteln gibt.

Anmerkung: Wir fühlen übrigens auch mit der Zunge. Es werden unterschiedliche Konsistenzen wie rau, zart, porös, schmelzend und flüssig erkannt.

Sehen

Aufgabe: Wie sehen Nahrungsmittel aus?

Bieten Sie Ihren Kindern reifes und unreifes Obst an, wie zum Beispiel Bananen oder Erdbeeren. Lassen Sie die Kinder auswählen und probieren. Welche Frucht schmeckt besser, die reife gelbe bzw. rote oder die unreife grüne? Besprechen Sie das Ergebnis mit Ihren Kindern. Geben Sie Hinweise auf den Zusammenhang von Farbe und Reifungsgrad. Die Kinder lernen dadurch, dass das Auge ein wesentlicher Entscheidungsfaktor bei der Wahl und Erkennung von Lebensmitteln ist.

Anmerkung: „Das Auge isst mit“: Wenn wir etwas Leckeres sehen, läuft uns im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser im Mund zusammen. Das Aussehen von Essen, vor allem die Farbe, weckt Erwartungen und verspricht sinnliche Genüsse. Und es hält uns davon ab, verdorbene Ware zu essen; Beispiel: braune Stellen in Äpfeln.

Sinnesschulung im Kindergarten oder in der Schule 

Schlagen Sie auf dem nächsten Elternabend im Kindergarten oder in der Schule eine Sinnesschulung als Projekt vor. Berichten Sie von Ihren Erfahrungen zuhause. Vielleicht können Sie interessierte Erzieher oder Lehrer dafür begeistern. Tipps für die Durchführung erhalten die Pädagogen unter www.slowfood.de (Suchbegriff: Sinnestraining „Sinn-Voll“) oder von mir.

Ergebnis: Ob zuhause, in der Kindertagesstätte oder in der Schule; durch das Sinnestraining werden neue Geschmackserfahrungen gesammelt und eine bewusste Wahrnehmung von Lebensmitteln gefördert.

Küchenpraxis

Kochen Sie regelmäßig zuhause und lassen Sie sich von Ihren Kindern helfen. Durch den Umgang mit den Lebensmitteln in der Küche erfahren sie, wie die einzelnen Zutaten aussehen, riechen, schmecken und wie sie sich anfühlen. Nehmen Sie die Gerüche, die beim Kochen entstehen gemeinsam war. Sprechen Sie beim Essen über die zubereiteten Speisen. Wie sieht das Essen aus? Wie schmeckt es?

Fazit

Wenn Kinder Lebensmittel mit allen Sinnen erfassen dürfen, lernen sie langsam und bewusst zu essen, auf Sättigungssignale zu achten und beim Essen zu genießen. Auf diese Weise kann sich ein gesundes Essverhalten entwickeln. Sehen Sie Essen als ganzheitliches Erlebnis!

Viel Genuss beim Familienessen mit allen Sinnen wünscht Ihnen Sabine Timmermann

 

Autorin
Sabine Timmermann
Hauswirtschaftsleiterin mit dem Schwerpunkt Ernährung,
Gründerin der Zwergenkombüse, Mutter von zwei erwachsenen Kindern
www.zwergenkombuese.de