Pippi hat Geburtstag

„Am besten, ihr geht jetzt nach Hause, damit ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade.“ (Pippi Langstrumpf, 1. Kapitel)

Dieser Spruch aus dem ersten Buch von Pippi Langstrumpf zeigt uns, dass das wilde Mädchen mit den roten Zöpfen und den Sommersprossen auch heute noch aktuell ist. Vor 75 Jahren erschien der erste Band über Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraims­tochter Langstrumpf, so der vollständige Name. 

Erfunden hat die Figur Karin, die Tochter von Astrid Lindgren. Sie lag krank im Bett und als Astrid ihre Tochter fragte, was sie ihr erzählen soll, überlegte sie kurz und sagte „Erzähl mir von Pippi Langstrumpf“, einen Namen, den sie sich ausgedacht hatte. 

Also beginnt Astrid Lindgren zu erzählen. Sie berichtet von dem Mädchen mit den Zöpfen, von ihren Abenteuern. Die roten Haare und die Sommersprossen guckt sich Astrid Lindgren bei einer Schulfreundin ihrer Tochter ab, von dem Mädchen, das auf Festen immer am wildesten ist. Ein Pferd auf der Veranda, das keinen Stall hat? Gibt es wirklich, und zwar bei den Nachbarn in der Nähe des Sommerhauses von Familie Lindgren. 

Die Geschichte könnte hier zu Ende sein. Doch dann schneit es im März 1944 in Stockholm. Astrid Lindgren rutscht auf einer vereisten Stelle im Vasapark aus, verstaucht sich einen Fuß – und muss nun selbst das Bett hüten. Um sich dabei die Zeit zu vertreiben, bringt sie die Geschichten von Pippi Langstrumpf zu Papier, verpackt das Manuskript in ein hübsches Kästchen und verziert alles mit einer handgemalten, winkenden Pippi. Es ist ihr Geschenk zu Karins zehntem Geburtstag. 

Das Manuskript wird vom Bonniers Verlag abgelehnt. Dort hat sie es eingereicht mit der Bitte, auf keinen Fall das Jugendamt einzuschalten. Also versucht sie es mit einer weiteren Geschichte, dem Mädchenbuch „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“, das sie bei einem Schreibwettbewerb des Verlages Rabén & Sjögren einreicht. Sie belegt damit den zweiten Platz. Ein Jahr später nimmt sie mit einer überarbeiteten Version von Pippi an dem Kinderbuch-Wettbewerb des Verlages teil, gewinnt und kurz vor Weihnachten 1945 erblickt „Pippi Langstrumpf“ das Licht der Öffentlichkeit. Innerhalb von 14 Tagen wird das Buch 20.000 mal in Schweden verkauft. 

Während die Kinder Pippi lieben, sind die Erwachsenen eher skeptisch. Pippi sei ein schlechtes Vorbild, Kinder sollten spuren und nicht die Welt so machen, wie sie ihnen gefällt. In Deutschland findet sich zunächst kein Verlag, der den vermeintlich jugendgefährdenden Stoff verlegen will. Doch da stößt der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger, der auf Wissenschaftsbücher spezialisiert ist, bei einem Besuch in Stockholm auf das Buch und ist so fasziniert von Pippi Langstrumpf, dass er sie im Herbst 1949 nach Deutschland holt. So wird aus dem Wissenschaftsverleger Friedrich Oetinger ein Kinderbuchverleger, der sich auf skandinavische Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert.

Heute wird die kleine Heldin in der ganzen Welt geliebt und verehrt. Die Bücher sind in 77 Sprachen übersetzt. Der vermeintlich schlechte Einfluss auf Kinder, den konnte bis heute keiner nachweisen. Heute assoziieren die meisten positive Aspekte wie Mut, Fantasie und Zusammenhalt mit dem stärksten Mädchen der Welt.

Zum 75. Geburtstag gibt es beim Oetinger-Verlag viele neue Pippi Langstrumpf-Bücher und –Spiele. Neben Memospiel, Knete, Kreide und Stiften wurden auch neue Hörspielversionen aufgenommen. 

Pippi Langstrumpf
Alle Abenteuer in einem Band

Nun gibt es auch alle Pippi-Geschichten in einem neuen Sammelband, mit Illustrationen von Katrin Engelking und in der Übersetzung von Cacilie Heinig.

Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-1450-2, 400 Seiten, € 20,00, ab 6 Jahren. Erscheint am 09.05.2020.