Auf den Hund gekommen

„Wenn ich groß bin, dann habe ich einen eigenen Hund“. Nun bin ich groß und habe tatsächlich seit mittlerweile acht Jahren einen eigenen Hund, nämlich meine achtjährige schwarze Labradorhündin namens Wutz.

Wutz kam mit acht Wochen zu uns und war zum damaligen Zeitpunkt ebenso groß wie die Katzen. Sie fügte sich schnell in unser Tier- und Menschenrudel ein, wuchs und gedieh sehr in rasantem Tempo. Letzte Knabberreste an Wänden und Schuhen erinnern noch heute an die Welpenzeit, die (zu) schnell verging.

Im Laufe des ersten Hundelebensjahres entstand dann auch die Idee, meinen Beruf als Grundschullehrerin und mein privates Hundeglück miteinander zu verbinden und Wutz zum Schulhund ausbilden zu lassen.

Wir machten zunächst den Hundeführerschein und absolvierten dann erfolgreich eine Schulhundausbildung. Nachdem dann alle Formalitäten erledigt, Konzepte geschrieben und alle relevanten Gremien durchlaufen waren, durfte Wutz fortan als Colehrerin für zwei bis drei Tage offiziell mit in die Schule kommen. Seither ist sie festes Mitglied des Kollegiums und der Klassen, in denen ich unterrichte. 

Schulhund müsste man sein

So manches Mal denke ich „Schulhund müsste man sein“ – die Begrüßung richtet sich primär zunächst an den Hund, irgendwann folge dann ich. Und das ist auch gut so.

Es ist gut zu sehen, dass der Hund auf viele Kinder einen positiven Einfluss ausübt, Tränen trocknet und Gemüter tröstet, Ängste überwinden lässt, wozu wir als Erwachsene nicht unbedingt in der Lage wären.

Es ist gut zu sehen, dass eine gesamte Schülerschaft in der Lage ist, Rücksicht auf ein Lebewesen zu nehmen, um zum Beispiel durch einen lautlosen „Hundeapplaus“ bei gemeinsamen Veranstaltungen die empfindlichen Hundeohren zu schonen.

Einen Schulhund in der Klasse zu haben, bedeutet jedoch auch Verantwortung zu übernehmen – Verantwortung für die Versorgung des Tieres in Form eines „Napfdienstes“ und auch die Verantwortung dafür, die Klassenlautstärke aus Rücksicht auf das Tier gering zu halten. Pausen werden zudem immer wieder genutzt, um die sichtlich genießende Wutz zu streicheln, zu bürsten oder auch mit ihr zu spielen. Sie übt auf viele Kinder eine wahre Anziehungskraft aus.

Für mich, die glücklicherweise mit Haustieren aufgewachsen ist, ist es zudem eine Freude zu beobachten wie Kinder, die keine eigenen Haustiere haben (dürfen), einen positiven Zugang hierzu erhalten.

Nach ihrer eigenen offiziellen Einschulung vor vier Jahren, wird Wutz nun wieder mit mir eine neue erste Hunde-Klasse durch die Grundschulzeit begleiten. Wir freuen uns auf diese spannende neue Zeit und grüßen auf diesem Wege auch alle anderen Schulhundteams in Lübeck und Umgebung. 

Autorin: Jessica Rahlf