Zucker … eine süße Gefahr auch in Ihrer Familie?

Kinder lieben Süßes – sicherlich auch Ihre. Gerade nach der Weihnachtszeit entstehen in vielen Familien wieder Diskussionen. Das Thema Süßigkeiten ist für Eltern häufig ein Problem. Fragen tauchen auf: Wie viel Zucker dürfen Kinder essen? Sind Naschereien als Erziehungsmittel geeignet oder doch lieber gar keine Süßigkeiten?

Ernährungswissenschaftler empfehlen Eltern, einmal am Tag höchstens so viel Süßigkeiten verzehren zu lassen, wie in die Kinderfaust passt. Ein kleiner Schokoriegel oder einige Gummibärchen sind also völlig ausreichend. Die meisten Kinder wollen allerdings mehr. Eltern stehen deshalb vor der Frage, was sie gegen die ständige Verlockung von Bonbons, Schokolade und Co. tun können. Vernünftige Argumente wie, dass Zucker ungesund ist, bringen nichts und grundsätzlich verbieten, genauso wenig. Ein Verbot verstärkt das Bedürfnis eher noch. Und die nächste Einladung zum Kindergeburtstag wird dann garantiert genutzt, um ausgiebig zu naschen. Kinder sollten lernen, ihr eigenes Maß zu finden. Vermitteln Sie Ihrem Kind, das Süßes „in Maßen zu genießen“ in Ordnung ist. Eine große Rolle spielt dabei eine bewusste Ernährungserziehung. Seien Sie ein gutes Vorbild! Wer sich selbst ständig mit Süßigkeiten vollstopft, kann von seinem Kind kaum erwarten, dass es freiwillig auf Süßes verzichtet. Ernährungsexperten befürworten eine klare Lebensmittelpolitik in der Familie. Süßigkeiten müssen etwas Besonderes und damit Seltenes sein. Stellen Sie gemeinsam Regeln auf. Regeln beugen täglichen Streitereien vor.

Hier ein paar Anregungen:

  • Am Vormittag wird nicht genascht und vor den Hauptmahlzeiten gibt es grundsätzlich nichts Süßes.
  • Bewusst am Tisch naschen und nicht nebenbei beim Spielen.
  • Nach einer Anhäufung von Süßigkeiten nach Feiertagen – wie zum Beispiel Weihnachten – alle Schätze in einer, eventuell sogar abschließbaren, Schublade sammeln und zusammen mit dem Kind Tagesrationen für eine Woche aussuchen. Tipp: Nehmen Sie eine saubere Eierschachtel für sechs Eier und lassen Sie die Kinder die Portionen für sechs Tage hineinlegen. Beschriften Sie die Schachtel mit seinem Namen. Am siebten Tag geht die Familie gemeinsam an die Naschvorräte und jeder darf ein Stück auswählen.
  • Ein älteres Kind kann die erlaubte Wochenration an Knabbereien in einer „Naschdose“ aufbewahren. Entweder vereinbaren Sie, dass Ihr Kind sich einmal täglich eine Kleinigkeit daraus nehmen darf oder Sie lassen das Kind selbst entscheiden, wann und wie viel es daraus nascht. So lernt es, sich die Mengen einzuteilen.

Egal, welche Absprachen Sie für Ihre Familie finden, wichtig ist, dass Sie den Konsum von Zucker eingrenzen. Behalten Sie das Verlangen Ihrer Kinder nach Süßem im Auge. Falls Ihre Kinder woanders mehr Süßes bekommen, nehmen Sie es als Ausnahmesituation und versuchen Sie, die „Sünden“ in den folgenden Tagen mit gesunder Ernährung auszugleichen. Naschen Ihre Kinder allerdings heimlich, sollten Sie klären, woher die Süßigkeiten kommen. Stecken beispielsweise Großeltern oder Nachbarn „Quengelware“ zu, müssen Sie Absprachen treffen und das Problem klären. Übertreibt Ihr Kind zuhause die Quengelei nach Süßem, sagen Sie klar „Nein“ sagen und ziehen Sie eine Grenze.

Essgewohnheiten werden in der Kindheit geprägt und sind später nur schwer zu ändern.

Bei Süßigkeiten verrät schon der Name, dass sie viel Zucker enthalten. Doch die versteckten „Zuckerfallen“ sind oft nicht viel besser. Gerade in Produkten, die sich an Kinder richten, verbirgt sich jede Menge von den süßen Zusatzstoffen. Für Zucker gibt es mehr als 70 Bezeichnungen, unter denen er auf Lebensmittelverpackungen in der Zutatenliste versteckt wird: Dextrose, Glukose-Sirup oder Molkenpulver, um einige zu nennen (www.lebensmittelklarheit.de). Selbst in Lebensmitteln, in denen man es gar nicht vermuten würde, kann sich ein hoher Zuckergehalt verstecken. Werfen Sie grundsätzlich einen Blick auf die Zutatenliste. Je weiter vorne der Zucker auftaucht, desto mehr davon steckt im Produkt. Sie werden überrascht sein.

Sind Ihre Kinder schon etwas älter, spielen Sie als Familie doch mal das Spiel „Zuckertest“. Jeder soll raten, wie viel Zucker sich zum Beispiel im Ketchup verbirgt. Sensibilisieren Sie Ihre Kinder spielerisch für das Thema Zucker.

Oftmals suchen Eltern nach alternativen Süßmitteln wie zum Beispiel Ahorn- oder Agavensirup. Doch die sind kaum wertvoller als Haushaltszucker. Und Zuckerersatzstoffe wie Süßstoff sind für Kinder gesundheitsschädlich und deshalb ungeeignet.

Zucker sollte in jeder Form nur sehr sparsam und möglichst selten verwendet werden!

Meine Tipps aus der Praxis: 

  • Verdünnen Sie Säfte mit Wasser oder stellen Sie Eistee aus Früchtetee selbst her.
  • Backen Sie Kuchen mit weniger Zucker.
  • Hat Ihr Kind Verlangen nach Süßem, geben Sie ihm ein paar Nüsse (ab 3 Jahre) oder ein kleines Stück Obst, zur Abwechslung vielleicht als Obst-Spieß. Lassen Sie sich von Ihrem Kind bei der Zubereitung helfen.
  • Kreieren Sie in der eigenen Küche leckere zuckerarme Naschereien. Anregungen bekommen Sie auf Anfrage von mir.
  • Runden Sie Ihr Mittagessen mit einem kleinen Nachtisch ab; zum Beispiel mit einer selbstgemachten Quarkspeise. Dann bekommt Ihre Familie am Nachmittag nicht so schnell Heißhunger auf Süßes.
  • Vermeiden Sie, dass Ihr Kind aus Langeweile nascht. Lieber zur Ablenkung zusammen ein Spiel spielen.
  • Gehen Sie niemals hungrig einkaufen. Sie greifen sonst unbewusst zu Süßigkeiten, weil Ihr Körper schnelle Energie verlangt. Und schaffen Sie sich keine Naschvorräte an. Die Verlockung zuhause wird dadurch zu groß.

Benutzen Sie Süßigkeiten nicht als Erziehungsmittel. Süßigkeiten sollten nicht als Trost oder Belohnung eingesetzt werden.

Fazit: Ihre Familie muss nicht vollständig auf Süßigkeiten verzichten. Genießen Sie mit den Kindern ganz bewusst die Naschereien. Und versuchen Sie mit kleinen Tricks, den Zuckerkonsum im Alltag einzuschränken.

Einen entspannten Umgang mit Zucker in Ihrer Familie wünscht sich Sabine Timmermann

 

Autorin
Sabine Timmermann
Hauswirtschaftsleiterin mit dem Schwerpunkt Ernährung, Gründerin
der Zwergenkombüse, Mutter von zwei erwachsenen Kindern
www.zwergenkombuese.de