Liebes Tagebuch…

Tagebücher für Kinder gestalten

Papa, was war mein erstes Wort? Als was war ich an Fasching verkleidet? Wenn Kinder Fragen über sich selbst stellen, merken viele Eltern, an wie wenig sie sich erinnern. Oder sie haben vergessen, welches der Kinder Windpocken hatte oder mit dem Weihnachtsmann geschimpft hat, weil er die Schuhe an der Tür nicht auszog.

Die meisten dieser Fragen wird niemand außer den Eltern beantworten können. Im Alltag mit den Zwergen bleibt wenig Zeit, und plötzlich ist aus dem Baby ein Schulkind geworden. Spätestens, wenn es dann flügge ist, sind Notizen aus der Kindheit ein Schatz fürs ganze Leben.

Meine Mutter hat mir zum Auszug ein Kindheits-Tagebuch geschenkt. Sie war keine große Schreiberin und hat vor allem Krankheiten und Reisen notiert. Trotzdem war das Tagebuch nach ihrem frühen Tod mein wichtigstes Erbe, denn es enthält viel von ihr selbst und dem damaligen Zeitgeist. Ob sich unsere Welt genauso stark verändert haben wird, wenn unsere Kinder groß sind?

Damit die Kinder wissen, wo sie herkommen und wie sie sich entwickelt haben, reicht es schon, einmal im Monat für ein paar Minuten die wichtigsten Ereignisse und Anekdoten zu notieren. Es wird später kaum ein schöneres Geschenk geben.

Selbst gestaltete Tagebücher oder Blogs

Während meiner Schwangerschaften habe ich für jedes Kind ein unliniertes Notizbuch angelegt. Diese Tagebücher über die Geburten, die wichtigsten Entwicklungsschritte und den Familienalltag führe ich bis heute fort. Sie sind auch für mich ein Dokument, denn vieles erinnere ich heute anders. Auch Eltern verändern sich ja!

Blanko-Tagebücher sind günstig und flexibel: Ich entscheide, was und wie viel ich aus jeder Lebensphase aufschreibe. Die Nerd-Variante eines solchen Tagebuchs wäre übrigens ein Blog, in das regelmäßig Bilder und Texte eingestellt werden.

Gestaltungs-Ideen:

  • Was ist im Jahr der Geburt passiert (in der Familie, in der Welt)?
  • Was hat das Kind in welchem Monat zum ersten Mal gemacht?
  • Was mag es, was nicht?
  • Wie sieht ein typischer Tag aus?
  • Kinderzitate, Kindermund, Anekdoten
  • Collagen aus Fotos, Eintrittskarten und Fundstücken bspw. von Reisen
  • Kinderzeichnungen
  • Lieblingsbücher und -filme
  • Fotos und Namen von Kuscheltieren
  • Kinder-Interviews (Was magst du an dir (nicht)? Welche Superkraft hättest du gerne? Wovor hast Du Angst? Was ist typisch für dich? Was möchtest du später arbeiten?)

Strukturierte Baby-Tagebücher

Im Handel gibt es eine riesige Auswahl an Baby-Tagebüchern mit vielen Ideen für Eltern, die beim Aufschreiben nicht lange nachdenken möchten. Vor dem Kauf sollte man sich ansehen, wo das Buch Schwerpunkte legt (will ich wirklich jeden Milchzahn einzeln dokumentieren?).

Tipp: Besonders schöne Tagebücher für das erste, das zweite und die ersten 18 Jahre gibt es im Online-Shop „Paper-party.de“. Die Tagebücher sind handgemacht und im Ringbuchformat, so dass sich flexibel Seiten herausnehmen oder einfügen lassen und auch viele Fotos das Format nicht sprengen (€ 28).

Strukturierte Tagebücher für die Kindheit

Es ist eine gute Sache, ein Tagebuch nicht nur fürs erste Jahr, sondern gleich für die ganze Kindheit zu kaufen. Denn nach der Babyzeit wird es erst richtig spannend, wenn das Kind mit Laufen und Sprechen beginnt und die Persönlichkeit sich zeigt. Es gibt Kinder-Tagebücher, die viel Freiraum für Bilder etc. lassen, und andere, die eher textlastig sind. Sie können gute Anregungen geben und Fragen stellen, auf die man selbst nicht gekommen wäre: Warum habt ihr meinen Namen ausgewählt und was bedeutet er? Welche Eigenschaften von euch habe ich geerbt? Was habe ich gern gespielt? Welche Menschen waren mir wichtig?

Tipp: „Die Geschichte deines Lebens“ von Michael Winter ist zeitlos schön und lässt viel Raum für eigene Notizen oder Fotos. Der Schwerpunkt liegt auf Geburtstagspartys und Reisen. Bastei Lübbe Verlag, € 16.

„Mama und Papa erzählen über dich“ von Elma van Vliet enthält viele gute Fragen zum Alltag, zur Entwicklung und über das Eltern-Kind-Verhältnis. Knaur Verlag, € 15.

„Zeitkapseln“

Die kleinste Form einer Zeitkapsel sind „Briefe an später“, in denen man frühere oder aktuelle Ereignisse aufschreibt und sie für das Kind archiviert. In Erinnerungsbüchern erzählen Großeltern und Eltern über ihre Kindheit, ihr Leben und die Familie (Wie hast du dich mit deinen Geschwistern verstanden? Was hättest du gerne gemacht, konntest es aber nicht? Wie hast du mich als Kind gesehen?).

Tipp: Elma van Vliet hat verschiedene Familien-Erinnerungsbücher entwickelt, unter anderem: „Mama (Papa/Opa/Oma), erzähl mal!“. Knaur Verlag, € 15.

Video- oder Audiobotschaften

Es gibt diese Geschichte von der Mutter, die eine tödliche Krankheit hat und ihrer Tochter für jeden späteren Geburtstag eine Videobotschaft hinterlässt. Natürlich geht das auch ohne traurigen Anlass, zum Beispiel mit einem Erinnerungsvideo am Ende jeden Jahres. Meine Kinder sprechen von Zeit zu Zeit Ton-Memos mit Zukunftsbotschaften an sich selbst auf Tonband. Solche Bild- und Tonaufnahmen sind perfekt für Schreibfaule.

Fotoalben oder Fotobücher

Die meisten Eltern haben tausende Kinderfotos, die im Datensumpf der Festplatten versinken. Schon das Sortieren ist viel Arbeit. Weniger ist deshalb manchmal mehr: Nicht jeder Familienausflug muss fotografisch festgehalten werden, wenn mit den Bildern dann sowieso nichts geschieht. Ich habe für jedes Kind digitale Jahresordner mit thematischen Unterordnern angelegt und mache von den besten Abzüge, die ich Zeit sparend in Foto-Registerkartons archiviere. Aus den Jahresordnern lassen sich später Fotobücher zum 18. Geburtstag erstellen.

Schatzkiste

Die Zeitung vom Tag der Geburt, erste Schuhe, Lieblings-Pullis und Kuscheltiere, Bastelarbeiten und Glückwunschkarten: Gegenstände aus der Kindheit sind auch später noch kleine Schätze. Die Dinge können in einer Holzkiste mit Deckel aufbewahrt werden. Es muss nicht viel drin sein, wenn es eine gute Auswahl ist.

Tipp: Für die Bücher und die Kiste ein schlichtes, zeitloses Design wählen. Als Erwachsener wird ihr Kind vielleicht kein Hello-Kitty-Fan mehr sein!

Gestalten Sie selbst ein Tagebuch für Ihr Kind? Möchten Sie Erfahrungen oder Ideen mit anderen Eltern teilen? Wir freuen uns über Anregungen unter info@luettbecker.de.

 

Autorin
Friederike Grabitz
freut sich immer darauf, die Tagebücher
für ihre beiden Söhne zu gestalten – oder
mit ihnen gemeinsam darin zu blättern.