Es war einmal… – „Das Geschenkpapier“

Rot mit weißen Punkten, bunt gestreift, rosa, floral gemustert mit Seerosen und Schwänen – Geschenkpapier gibt es in sämtlichen Variationen. Besonders in der Weihnachtszeit wird das Verpackungssortiment aufgestockt und die Auswahl an Schleifen, Papieren, Kästchen, Dosen, Hüllen oder Taschen ist schier grenzenlos. Doch seit wann gibt es eigentlich Geschenkpapier?

Fangen wir bei der Kunst des Papiermachens an.

Sie hat ihren Ursprung in China. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom Hofbeamten Ts’ai Lun aus dem Jahr 105 n. Chr., als man aus Maulbeerbast-Fasern, Hanfabfällen, alten Fischernetzen, Stoffresten und Wasser einen Brei erzeugte, der dann mit einem Sieb geschöpft, gepresst und getrocknet wurde. Zunächst geheim gehalten, gelang das Wissen über die Papierherstellung im zwölften Jahrhundert nach Europa, wo 1144 die erste Papiermühle in Spanien in Betrieb genommen wurde. Über Italien und Südfrankreich breitete sich das Gewerbe in Mitteleuropa aus. In Deutschland errichtete man die erste Papiermühle im Jahr 1390 in Nürnberg.

Die Papierherstellung fand zunächst ausschließlich in Handarbeit statt.

Das Blatt wendete sich, als der Franzose Nicolas-Louis Robert im Jahr 1799 die Langsiebpapiermaschine entwickelte. Der Rohstoff waren alte Lumpen. Doch diese waren begehrt und entsprechend teuer. Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage kamen die Produzenten schnell an ihre Grenzen. Als 1850 der Rohstoff Lumpen durch billigeres Holz ersetzt wurde, konnte man endlich in großen Mengen produzieren. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte war Papier zu einem preisgünstigen Material geworden und begann eine wichtigere Rolle im Alltag zu spielen. Doch das kunstvolle Einpacken von Gaben in buntes Papier war zunächst nur der Oberklasse vorbehalten. Die Weihnachtspapiere waren aufwendig verziert. Blumen, Engel und Vögel gehörten zu den beliebtesten Mustern.

Die Technologie, feines, bunt verziertes Papier in Massen zu produzieren, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts verbessert. So startete das Unternehmen Hallmark 1917 mit der modernen Geschenkpapierproduktion in Amerika. Eine weitere Entwicklung kam etwa 20 Jahre später hinzu, als das Scotch-Klebeband erfunden wurde. Das machte es einfacher, Geschenke, die zuvor mit Seil, Garn und Siegellack zusammengehalten wurden, einzuwickeln.

In Deutschland hatte das Geschenkeeinpacken in dieser Form aber noch keine Relevanz. „Geschenkpapier ist eine Bezeichnung, die erst wenige Jahrzehnte in Gebrauch ist“, sagt Frank Heinzig vom Papiermuseum aus dem thüringischen Fockendorf. „Eigentlich handelt es sich dabei um Packpapier, das bereits vor Beginn der maschinellen Papierherstellung produziert und vermarktet wurde.“ Die Menschen nutzten es, um Stoffe, Strümpfe oder Bücher für den Versand einzupacken.

Geschenkpapier gibt es noch nicht so lange

„Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Geschenke noch unverpackt in den Weihnachtsbaum gehängt“, erklärt Wolf von Waldow. Der Experte für Kunstgeschichte und Industrial Design hat im Rahmen seiner Diplomarbeit tiefere Einblicke in die Geschichte des Geschenkpapiers unternommen. „Zu meiner Kindheit wurden die Geschenke nicht verpackt“, erzählt auch Charlotte Reimershaus. Die 93-jährige erinnert sich noch genau. „Alle Gaben lagen unter dem Christbaum in einem verschlossenen Zimmer. Wer durch das Schlüsselloch gucken wollte, bekam Ärger“, sagt sie mit einem Schmunzeln. „Erst wenn an Heilig Abend das Glöckchen läutete, durften wir das Weihnachtszimmer stürmen und unsere Geschenke in Empfang nehmen.“

Ende des Zweiten Weltkrieges fand dann ein gesellschaftlicher und kultureller Umbruch statt. „Der zunehmende Lebensstandard und die gesteigerten Konsummöglichkeiten beeinflussten auch das Schenken“, so Kunsthistoriker von Waldow. „Das Einpacken von Gaben wurde bis Ende der 50er Jahre allgemein verbindlich.“ Im Gegensatz zu heute erfreute sich Geschenkpapier jedoch einer viel größeren Wertschätzung. In der Regel wurde es nach Gebrauch glatt gestrichen, oftmals sogar gebügelt, zusammengefaltet und erneut verwendet. Vielleicht sollte man sich diese Mühe wieder machen. Denn wer weiß, vielleicht ist rosa, floral gemustertes Geschenkpapier mit Seerosen und Schwänen auch im nächsten Jahr noch angesagt?