Die Hausapotheke

Inhalt und Empfehlungenfür Familien mit Kindern

Aufgrund von Kontaktbeschränkungen und Sorge vor einer Infektion während der Coronapandemie wird in vielen Familien aktuell häufiger als zuvor die eigene Hausapotheke in Anspruch genommen oder zumindest auf Vollständigkeit überprüft. Durch eine selbstständige erste Versorgung zu Hause kann möglicherweise von einem Arztbesuch abgesehen und somit ein potentielles Infektionsrisiko vermieden werden. Aber auch außerhalb von Coronazeiten ist es lohnenswert, sich mit dem Thema zu befassen und für die häufigsten Beschwerden im Kindesalter ausgestattet zu sein.

Zunächst sollte der optimale Aufbewahrungsort bedacht werden. Dieser ist am besten dunkel, kühl und trocken, damit die Medikamente während der Lagerung keinen Schaden nehmen. Natürlich muss die Hausapotheke für Kinder unzugänglich sein, beispielsweise in einem abschließbaren Schrank außerhalb der Reichweite eines Kindes. 

Um langes Suchen im Ernstfall zu umgehen, sollte sich in der Nähe der Hausapotheke eine Liste mit folgenden Notfallnummern befinden:

  • Rettungsdienst für lebensbedrohliche Notfälle: 112
  • eigene Kinderärztin oder eigener Kinderarzt
  • ärztlicher Bereitschaftsdienst bundesweit: 116 117
    (kostenlos vom Mobiltelefon und Festnetz, ohne Vorwahl)
  • zahnärztlicher Bereitschaftsdienst Lübeck:  0451-69 19 13 (freitags ab 18:00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen)
  • Apothekennotdienst: www.aponet.de
  • Giftnotrufzentrale Nord: 0551-19 240

Es empfiehlt sich des Weiteren eine Erste-Hilfe-Anleitung nahe der Hausapotheke anzubringen, um im Notfall schnell reagieren zu können.

Aus welchen Inhalten setzt sich nun die Hausapotheke für Kinder zusammen?
Verbandmittel:
  • sterile Kompressen/Wundauflagen
  • Mullbinden, Verbandpäckchen
  • elastische Binden
  • Heftpflaster
  • Wundschnellverbände (Wundverbandpflaster)
  • Dreieckstuch
  • Verbandschere
Hilfsmittel:
  • Fieberthermometer (bei Säuglingen rektale Messung,
    bei älteren Kindern auch Ohrthermometer)
  • Einmalhandschuhe
  • Kühlkompressen im Kühl- oder Gefrierschrank gelagert
    (Anwendung ohne direkten Hautkontakt)
  • Körnerkissen oder Wärmflasche (Vorsicht
    Verbrennungs- bzw. Verbrühungsgefahr)
  • Splitterpinzette
  • Zeckenzange
Arzneimittel:
  • Medikamente gegen Fieber und Schmerzen
    (Paracetamol oder Ibuprofen als Zäpfchen, Saft oder Tabletten)
  • Nasentropfen aus Kochsalzlösung oder Meerwasser
  • abschwellende Nasentropfen oder Nasenspray 
  • Glucose-Elektrolyt-Pulver bei Flüssigkeitsverlust durch
    Magen-Darm-Infekte
  • Wunddesinfektionsmittel 
  • Wund- und Heilsalbe mit Dexpanthenol
  • Zinkoxidsalbe
  • kühlendes und juckreizlinderndes Gel
  • schmerzlindernde oder abschwellungsfördernde Salbe/Gel für ältere Kinder
  • einfache Tees wie Fenchel-, Kamillen-, Salbei- und Schwarztee
  • Insektenschutzmittel für Kinder
  • Sonnenschutzmittel mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor

Rezeptpflichtige Arzneimittel gehören, abgesehen von Medikamenten zur individuellen Dauertherapie, nicht in die Hausapotheke. 

Es ist zu empfehlen, Arzneimittel in ihrer Originalverpackung inklusive Beipackzettel aufzubewahren. Auf bereits angebrochenen Verpackungen sollte das Öffnungsdatum notiert werden, da Medikamente nach Anbruch eine begrenzte Haltbarkeit aufweisen. Regelmäßig muss überprüft werden, ob abgelaufene Medikamente zu entsorgen sind. In Lübeck müssen Altmedikamente in Apotheken abgegeben werden. Keinesfalls dürfen sie in der Restmülltonne oder über den Abfluss entsorgt werden. Die Lübecker Restmüllabfälle gelangen nicht wie in einigen anderen Kreisen in die Müllverbrennungsanlage, sondern werden weiter prozessiert. Das Prozesswasser wird in Teilen dem Lübecker Abwassersystem zugeführt.

Individuelle Medikamentengaben und Dauertherapien sollten immer in Absprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt erfolgen. Um einem verletzten oder erkrankten Kind helfen zu können und Hilfsmittel sowie Medikamente korrekt anzuwenden, ist die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs für Kinder dringend empfehlenswert. Das Elternportal www.kinderaerzte-im-netz.de des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bietet sehr gute Informationen zu Erster Hilfe und Sofortmaßnahmen bei häufigen Beschwerden im Kindesalter. Bei Unsicherheiten steht den Familien die eigene Kinder- und Jugendärztin oder der eigene Kinder- und Jugendarzt gern zur Verfügung und unterstützt die Eltern dabei, Symptome richtig einzuschätzen und die Patienten angemessen zu behandeln. 

Autorin:

Dr. med. Andrea Schaper

verheiratet, 3 Kinder, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, angestellt in Kinder-und Jugendarztpraxis Ahrens in Lübeck