Brauchen Kinder Urlaub?

Urlaub! Da denkt der eine an Sonne und Meer, ein anderer vielleicht an Schnee und Skifahren oder an Berge und Wandern. Auf jeden Fall aber freuen wir uns auf eine Auszeit von der Arbeit, denken an Erholung, Zeit für Dinge zu haben zu denen man sonst nicht kommt – einfach mal raus aus dem Alltagstrott.
Und Kinder? Haben die auch solche Gedanken, wenn sie das Stichwort Urlaub oder Ferien hören? Das ist sicher eine Frage des Alters. Kleinere Kinder freuen sich in erster Linie darauf, mehr Zeit mit Mama und Papa zu verbringen, Größere wollen Zeit für sich und ihre Freunde haben, ohne den täglichen Alltagsdruck zu verspüren.
Spätestens dann, wenn die Kinder in der Krippe, bei der Tagesmutter, im Kindergarten oder in der Schule sind, ist ihr Alltag nicht weniger anstrengend als der berufliche Alltag für uns Erwachsene. Sie sind ständig von anderen Kindern und Erwachsenen umgeben, erleben immer wieder neue Reize, Eindrücke und Gefühle, müssen sich auseinandersetzen – und das meist auch noch bei einem enormen Lärmpegel. Egal, ob in der Kita oder Schule, sie lernen jeden Tag Neues und müssen dies verarbeiten. Die meisten Kinder haben mittlerweile einen Acht-Stunden-Tag, an dem sie gefordert sind. Kindergartenkinder oft noch mehr als Schulkinder. Viele Kinder sind von morgens bis zum späten Nachmittag in den Einrichtungen und der Hin- und Rückweg kommt auch noch dazu. Mal abgesehen von dem Fußball-, Ballett- oder Musikunterricht, der bei vielen noch „on Top“ kommt. Wann bleibt da noch Zeit für das eigene Spiel, die Entwicklung der eigenen Kreativität? Wie und wann soll sich ein Kinde erholen? Reichen die Wochenenden aus um wieder Kraft zu tanken für die Woche? Mal ehrlich. Reicht Ihnen das Wochenende um wirklich erholt in die neue Woche zu starten? Oft wollen wir ja an den Wochenenden auch das tun und unternehmen, wozu unter der Woche keine Zeit bleibt. Aber das bedeutet auch, wieder Termine, zu bestimmten Zeiten irgendwo sein zu müssen, etc. …das Hamsterrad lässt grüßen.
Wir alle, Erwachsene wie Kinder, brauchen eine Zeit, in der wir Zeit haben, was ganz was anderes zu machen, in der wir nicht unter ständigem Zeitdruck stehen, mal alle Fünfe gerade sein lassen können und nicht funktionieren müssen. Gerade Kinder brauchen solche Zeiten. Wie oft habe ich schon von Eltern gehört, dass die letzten Wochen vor den Ferien schlimmer sind wie sonst. Die Kinder sind schneller erschöpft, weinen viel, sind aggressiver, drehen leichter durch. Doch das kennen wir doch auch von uns. Wir sehnen den Urlaub herbei, wir fühlen uns ausgelaugt, freuen uns darauf, dem Alltagsstress mal entfliehen zu können. Unseren Kindern geht das nicht anders. Kinder brauchen Pausen, Auszeiten und Ferien/Urlaub wie wir Erwachsenen auch.

Endlich Urlaub

Was machen in den „kostbarsten Tagen“ des Jahres, wie der Urlaub oft genannt wird. Die Möglichkeiten sind vielfältig und jeder hat andere Vorstellungen davon, wie man diese verbringen möchte. Doch als Eltern ist man nicht mehr völlig unabhängig, man muss beim Urlaubsziel auch die Bedürfnisse der Kinder mit berücksichtigen. Für Kinder ist im Urlaub vor allem wichtig, um Zeit mit den Eltern und Geschwister zu verbringen. Dabei ist es egal, ob das Kind noch in den Kindergarten geht oder schon ein Teenager ist. Urlaub heißt, zusammen sein und gemeinsame Erlebnisse haben. Eltern erleben ihre Kinder in ungewöhnlichen Situationen, sehen wie sie sich anderen Gleichaltrigen gegenüber verhalten, während Kinder ihre Eltern oft entspannter und ausgeglichener erleben als sonst. Automatisch verbringt man mehr Zeit miteinander und über gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse kann man zu Hause noch lange berichten. Das schweißt zusammen und schafft eine gemeinsame Identität.
Wohin soll’s denn gehen
Wichtig ist es, aus dem gewohnten Alltag herauszukommen und Neues zu entdecken und kennenzulernen. Dabei spielt das Reiseziel meistens keine große Rolle. Was zählt, ist die gemeinsam verbrachte Zeit, egal ob beim Zelten an der Nord- oder Ostsee, beim Urlaub auf dem Bauernhof, beim Wandern in den Bergen oder im „All-inclusiv“-Hotel. Ihrem jüngeren Kind ist es wahrscheinlich egal, ob Papa mit ihm die Sandburg auf einer tropischen Insel oder am Ostseestrand baut. Ältere Kinder sollte man allerdings bei der Wahl des Urlaubszieles mit einbeziehen.

Urlaub zu Hause

Man muss im Urlaub aber nicht immer die Koffer packen und verreisen. Auch ein Urlaub auf „Balkonien“ kann schön sein, es muss nicht immer ein exotisches Reiseziel angepeilt werden. Wichtig ist, dass man versucht den Alltag draußen zu lassen. Einfach mal in den Tag hineinleben, ausschlafen, den ganzen Tag im Schlafanzug rumlaufen, ungestört ein Hörspiel hören, endlich in Ruhe Bücher anschauen, gemeinsames Kuscheln, gemeinsam das Spiel spielen, wozu bis jetzt keine Zeit war…. Gemeinsame Ausflüge, einen ganzen Tag im Wald, auf dem Spielplatz, im Zoo. Erlebnisse schaffen, für die der Alltag sonst keine Zeit lässt. Auch hier gilt: die gemeinsam verbrachte Zeit ist wichtig.

Kleine Auszeiten

Zeit mit der Familie ist kostbar. Auch Kurzurlaube für ein verlängertes Wochenende können tolle Erlebnisse schaffen. Wie wäre es denn mal mit einem Winterwochenende im Harz. Einfach vor die Tür gehen und „Schnee satt“. Ab auf den Schlitten und Rodeln oder eine Schneeballschlacht direkt vor der Tür der Ferienwohnung. Suchen Sie sich Ziele aus, die für Sie und Ihre Familie neue Erfahrungen bedeuten und die Sie zu Hause nicht ohne weiteres erleben können.

Wie soll man das denn schaffen?

Bis zu 75 Tage haben unsere Schulkinder Ferien. Bei den Kitas sind es momentan noch meist 28 Tage. Glücklich ist die Familie, die auf Oma und Opa bei der Kinderbetreuung zurückgreifen kann, denn mit dem eigenen Urlaub kann man die Ferienzeiten nicht abdecken. Gerade wenn ein Kind zur Schule geht und das andere noch in der Kita ist, kann es vorkommen, dass die Schließzeiten so unterschiedlich sind, dass alleine in den Sommerferien sechs Wochen abgedeckt werden müssen. Wie ein alleinerziehendes Elternteil dies meistern soll, steht in den Sternen. Sicher haben sich in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gebessert, aber gut sind sie deswegen noch lange nicht. Frauen sind heutzutage gut ausgebildet und werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Doch wenn beide Elternteile Vollzeit arbeiten gehen wollen oder auch müssen, ist dies mit dem momentanen Betreuungsangebot kaum möglich. Selbst wenn man es in der Kita noch einigermaßen hinbekommt, spätestens mit der Einschulung tauchen neue Probleme auf. Abgesehen von den längeren Ferien, reicht bei einem Acht-Stunden-Tag die Schulkind-Betreuung nicht aus. Bei den meisten Angeboten endet diese spätestens um 16 Uhr, nur einige wenige bieten Öffnungszeiten bis 17 Uhr. Die Kinderbetreuung zu organisieren, bedeutet für viele Familien Stress hoch 10.

Genießen Sie Ihren Urlaub

Gerade deswegen sollten Sie mit Ihrer Familie den gemeinsamen Urlaub genießen. Sie und Ihre Kinder brauchen diese Auszeit. Nutzen Sie die Zeit für gemeinsame Erlebnisse, die Ihnen niemand nehmen kann. Erinnern Sie sich noch an Eindrücke und Erlebnisse aus den Urlauben mit Ihren Eltern? Ich wette ja. Geben Sie Ihren Kindern auch die Möglichkeit, sich an schöne Ferien in der Kindheit zu erinnern.